Auswendiglernen leicht gemacht: Methoden, Technik und Tipps

Ein Großteil des Stoffs, der sowohl in der Schule als auch in Uni-Vorlesungen durchgenommen wird, lässt sich logisch erklären und erschließen – das gilt insbesondere für Naturwissenschaften. Dadurch lässt sich der tatsächlich zu lernende Stoff auf die nächste Schulaufgabe, den nächsten Test oder die nächste Klausur deutlich reduzieren. Trotzdem gibt es immer wieder Material, das einfach auswendig gelernt werden muss. Dazu zählen beispielsweise die Planeten des Sonnensystems oder die Perioden der Erdgeschichte. Genau dieses „reine Auswendiglernen“ führt bei vielen Schülern und Studenten zu Problemen – dabei gibt es einige Methoden und Techniken, mit denen das „blanke Pauken“ deutlich einfacher gestaltet werden kann.

Die Eselsbrücke – oder auch: Vater erzählt nicht mehr

Merksätze erleichtern das (Schüler-)leben enorm. Das beste, bereits angesprochene Beispiel sind hier wohl die (früher) neun Planeten unseres Sonnensystems: Merkur, Venus, Erde, Mars, Jupiter, Saturn, Uranus, Neptun und Pluto. Um sich nicht nur deren Namen, sondern auch deren Reihenfolge zu merken, bot sich der Merksatz „Mein Vater erzählt mir jeden Sonntag unsere neun Planeten“ an. Nachdem Pluto aber seit Kurzem zum Zwergplaneten wurde, müssen Astronomen – und solche, die es werden wollen – zu neuen Merksätzen greifen. Einen ganz interessanten Artikel mit einigen Beispielen hat der Spiegel in seinem Online-Angebot zusammengestellt.

Je nach Anwendungsbereich und Menge des Lernstoffs bieten sich solche Eselsbrücken an, um ungriffigen Lernstoff erfolgreich abzuspeichern. Wenn möglich sollte man dabei auf Merksätze zurückgreifen die dem Stoffgebiet nahe liegen. Auch gut geeignet ist die erste Idee bzw. der erste Einfall für einen bestimmten Merksatz, auch wenn diese Idee oft noch weiter ausgefeilt werden muss.

Übung macht den Meister: Lernen ist die eine Sache…

 

Die zweite Dimension: Lernmatrixen – die Methodik zählt

Eine etwas andere Möglichkeit, um sich Stoff anzueignen, sind Lernmatrixen. Was sich anfangs kompliziert anhört, erleichtert das Lernen enorm – insbesondere bei Zusammenhängen oder Reihenfolgen von Begriffen, auf die sich kein sinnvoller Merksatz bilden lässt. Als Beispiel nutzen wir dieses mal die Erdperioden, die nicht nur an sich schon schwer zu lernen sind, sondern noch dazu altgriechische(?) Namen besitzen: Archaikum, Proterozoikum, Kambrium, Ordovizium, Silur, Devon, Karbon, Perm, Trias, Jura, Kreide, Paläogen und zuletzt auch Neogen. Um sich diese Perioden der Erdgeschichte zu merken, wird nun eine 4 x 3 Felder große Lernmatrixe gezeichnet:

Doch wozu der Unfug? Auf diesem Weg lassen sich die Anfangsbuchstaben der jeweiligen Perioden recht einfach sortieren und merken. In der jeweiligen Prüfung reicht es aus, die Matrix in der entsprechenden Größe auf das Blatt zu zeichen und auszufüllen. Um sich deren Inhalt zu merken, sollte man sich passende Abkürzungen ausdenken. Das vertikale „AOK“ wird zu einer bekannten Krankenkasse, das „PSP“ zu einer Spielekonsole. Alle Technikversierten machen aus „OSD“ ein On-Screen-Display, das „SP“ von „PSP“ wird zur Sparkasse vervollständigt, geschrieben wird also „SPK“. Das horizontale „KPT“ klingt (für alle Sozialkundler) wie die „KPD“. Das „TP“ in der unteren rechten Ecke lässt sich durch den „Teleport“ merken, während „KJ“ zum „Kilojoule“ wird.

Diese Anhäufung von Abkürzungen erleichtert das Lernen enorm, die Abfolge der Erdperioden wird einfach anhand der Anfangsbuchstaben wie ein Buch gelesen. Natürlich sollte man dabei passende, eigene Abkürzungen finden – denn auf diesem Weg erinnert man sich deutlich einfacher an die Inhalte der Matrixe. Übrigens: Die letzte Erdperiode wurde hier absichtlich ausgelassen – die Ähnlichkeit zwischen „Paläogen“ und „Neogen“ sorgt dafür, dass diese recht einfach zu merken ist.

Reihenfolge ist nicht alles: Fachwörter auflösen und abspeichern

Nun hat das Gehirn zwar die Reihenfolge der Erdperioden auswendig gelernt, doch damit ist es noch nicht getan: Bis aus dem „O“ ein „Ordovizium“ wird, muss noch etwas Denk- und Lernarbeit vollbracht werden. Um sich komplizierte Wörter oder Fachterminus zu merken, bietet sich eine Auflösung des Worts in seine Bestandteile ein. Das Wort „Ordovizium“ wird dementsprechend in mehrere Teile aufgespalten: „Or“, „do“, „vizi“ und „-um“. Mediziner machen nun beispielsweise aus dem „Or“ einen „Orthopäden“, das „do“ wird zu „Dormicum“ (ein Medikament). Zusammen mit der Endsilbe „-um“, auf die 4 von 13 Erdperioden enden, entsteht so fast von alleine das Wort „Ordovizium“ – ganz ohne eine große Verinnerlichung des Wortteils „vizi“.

Auch hier muss wieder jeder nach eigenen kleinen Eselsbrücken suchen, um den Lernstoff sicher und schnell aufzunehmen. Diese Methode, die Wörter in erster Linie in lernbare Portionen kleinschneidet, sollte allerdings mit Vorsicht angewendet werden: Wer sich zu viel merkt kommt schnell durcheinander und verwechselt ganze Wörter bzw. deren Eselsbrücken miteinander. Im obigen Beispiel bietet sich diese Methode in erster Linie für die Wörter „Proterozoikum“ und „Ordovizzium“ an, die restlichen Begriffe ergeben sich zusammen mit den Anfangsbuchstaben (fast) von selbst.

Ohne geht’s nicht: Üben, üben, üben

So gut die beste Eselsbrücke und Lernmethode auch sein mag: Ohne ausreichende Übung verfestigen sich nur wenige Inhalte im menschlichen Gehirn. Ein ausreichendes Training ist die Grundlage für das Aneignen von Lernstoff. Was insbesondere für Mathe und Physik gilt (hier muss eine Methodik auf die verschiedensten Fällen angewendet werden – und mit diesen muss man erstmal vertraut sein), wird auch bei komplizierteren Eselsbrücken und Lernmethoden mit Erfolg belohnt.

Eine Alternative: Gedankliches Visualisieren

Eine Methode, die ich persönlich bislang nicht wirklich verwendet habe, ist das „gedankliche Visualisieren“. Dabei ordnet man beispielsweise einzelnen Räumen im eigenen Haus oder der eigenen Wohnung Begriffe zu oder platziert dort gedanklich Gegenstände, Menschen oder sonstige Objekte. Anschließend „läuft“ man diese Räume in Gedanken ab und versucht, die entsprechenden Begriffe zu rekapitulieren. Das ganze funktioniert natürlich nicht nur mit der eigenen Wohnung, sondern auch mit anderen Orten. Wer nicht weiß, was ich meine, darf sich den entsprechenden TEDtalk dazu ansehen (leider nur in Englisch), über den auch ich auf diese Methode aufmerksam wurde.

Fazit

Dieser Artikel stellt nur einen kleine Auswahl an Lernmethoden und Hilfen zum Auswendiglernen dar. Es gibt grob geschätzt noch hunderte weitere Möglichkeiten, um sich schwierigen Stoff (mehr oder minder dauerhaft) anzueignen. Dennoch hoffe ich, dass ich mit diesem Artikel das Pauken für den ein oder anderen etwas vereinfacht habe. Wenn ihr noch Tipps, Anmerkungen und Kritik habt, würde ich mich über einen entsprechenden Kommentar freuen – andernfalls: Viel Spaß und Erfolg beim Lernen!

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